Mannheimer Morgen 28. 5. 2008

Innenstadt/Oststadt: Geschäftsleute und Hausbesitzer fürchten um Parkplätze und Abstellfläche 

Radfahrstreifen am Ring stößt bei Anrainern auf Widerstand

Seit klar ist, dass die Stadt den Fahrradstreifen am Friedrichsring erneuern und dabei fehlende Streckenabschnitte ergänzen möchte, rumort es bei Anrainern. Der Grund: In Fahrtrichtung Süden vor U 6 und T 6 müssen die vorhandenen Parkplätze weichen – für die meisten Geschäftsinhaber, das Deutsch-Türkische Wirtschaftszentrum, aber auch für Hausbesitzer und Anwohner ein ziemliches Unding.

Aus- und Einladen, kurz mal bei der Apotheke oder der Bank reinspringen, am Kiosk den „MM“ kaufen – künftig ist das auf dem Seitenstreifen, der das Parken eingeschränkt oder zu bestimmten Zeiten sogar generell erlaubt, nicht mehr möglich. „Das kann’s doch nicht sein“, finden Florian Kußmann, FDP-Bezirksbeirat und Cafe-Betreiber in T 6 und sein Parteikollege Fatih Özdemir. Eine andere Lösung müsse her, fordern sie beim Vor-Ort-Termin, notfalls müssten Ausweichstrecken aufgerüstet werden. 

Dabei sehen sie die Notwendigkeit eines durchgehenden Radwegenetzes durchaus ein, aber nicht auf Kosten von Pkw-Abstellflächen in der City. Oder gar zum Schaden der Mittelständler. Nein. „Wir haben einen regen Kundenverkehr“, sagt auch Kamber Altintas vom Deutsch-Türkischen Wirtschaftszentrum. Viele Auswärtige seien darunter. Die müssten mit ihrem Auto halten können, zumindest um Waren abzuladen: „Wir brauchen die Kurzzeitparkplätze.“ Schon jetzt sei der Parkraum in der Innenstadt knapp, sagt auch Reinhold Rubin, Filialeiter von pit.stop, drängeln sich Fußgänger und Radfahrer auf dem Gehweg. Dass sich da etwas ändern soll, findet er indes vernünftig.

Ausgangspunkt für die städtische Planung ist der Friedrichsring im Abschnitt zwischen Goethe- und Collinistraße. Dort ist die Fahrbahnmarkierung abgenutzt, muss also erneuert werden. Einmal dabei, will man auch auf der anderen Ringseite durchgehend in Richtung Süden einen 1,5 Meter breiten Streifen schaffen, vorhandene Lücken im Radnetz ergänzen. Dazu muss der hinter dem Kurpfalzkreisel der auf die Fahrbahn geleitete Radweg ab U5/6 aufgenommen, unter dem Collini-Steg fortgeführt und an den vorhandenen Streifen ab S 6 angebunden werden. In einem zweiten Abschnitt soll anschließend der Streifen bis zur Fressgasse (P7/Q7) geführt und in einem dritten Abschnitt im Rahmen der Planken-Umgestaltung bis O 7 ergänzt werden.


Radweg auf dem Ring

Fahrradfahren am Ring ist kein Vergnügen: Derzeit müssen sich die Radler an vielen Stellen die Fahrbahn mit Autos und anderen
Verkehrsteilnehmern eilen. Für einen Extra-Streifen müssten die Parkplätze (rechts) weichen – dagegen regt sich aber Widerstand.
BILD: TRÖSTER 

Radwegeplanung Mannheim InnenstadtDer Friedrichsring hat im ersten Abschnitt ein eher geringes Verkehrsaufkommen von rund 21 600 Fahrzeugen am Tag. In Fahrtrichtung Collinistraße sind es 10.000, in Fahrtrichtung Nationaltheater 11 600 in 24 Stunden. Die Buslinie 62 befährt die Strecke mit zwölf Fahrten je Richtung am Tag. Der Straßenquerschnitt sieht künftig zwei Fahrspuren a drei Meter vor, der Fahrradstreifen wird mit 1,50 Meter abmarkiert.

Deutlich mehr Verkehr herrscht im zweiten Abschnitt ab R 7 Richtung Süden zur Kunststraße: 25 700 Kraftfahrzeuge sind hier am Tag unterwegs. Trotz neuen Radstreifens bleiben die vier Pkw-Fahrspuren erhalten, auf Höhe von Q 7 kann der Radverkehr den Streifen in der Fressgasse erreichen. Im dritten Abschnitt wirdein getrennt geführter Radweg vor P 7 und O 7 angestrebt. Am 10. Juni kommt die Planung in den Ausschuss für Umwelt und Technik. aph